Es war gestern Abend eher ein leiser Moment, als Frankfurt draußen langsam ausklang. Drinnen im Palais Livingston in der Ulmenstraße in Frankfurt aber begann etwas Faszinierendes, das mehr als eine Vernissage war – es wurde zu einer Reise durch Zeit, Erinnerungen und dem unaufhaltsamen technologischen Wandel der Fotografie.
Unter dem Titel „Erbe sichern, um Zukunft zu gestalten“ hatte der FPC, so Anna Moldenhauer (Vorstandsmitglied des Frankfurter PresseClub e.V.) eingeladen, und die Kunsthistorikerin und Journalistin Alexandra Flieth erzählte die Geschichte von vier Fotografen, deren Leben und Werk eng miteinander verwoben ist: Paul Kunze, Carl Just, Pjotr Hamerski und Leonhard Adam Hamerski, vier Namen, vier Epochen – und doch eine gemeinsame Sprache: die Fotografie.
Schon beim Betreten der Ausstellung wurde spürbar, dass hier nicht nur Bilder gezeigt werden, sondern Lebensspuren. Historische Fotografien aus einem traditionsreichen Fotohaus in Świdnica – einst Schweidnitz – erzählen von einer Zeit, in der das Licht noch mühsam eingefangen werden musste. Daneben stehen originale Kameras aus den 1920er-Jahren: schwere Apparate, die heute fast fremd wirken, Relikte einer Technik, die einst die Welt bedeutete, und die Leonhard Hamerski als Zeugen dieser Epochen bis heute liebevoll pflegt.
Und doch ist da kein nostalgischer Stillstand. Im Gegenteil. Zwischen Bromöldruck und Camera Obscura, zwischen Glasplatten und moderner Digitaltechnik entsteht ein Dialog, der bis in die Gegenwart reicht. Leonhard Adam Hamerski, seit den 1980er-Jahren eine prägende Figur der Frankfurter Medienlandschaft, führt diesen Dialog der Technologie weiter – mit Bildern aus der Stadt, mit künstlerischen Installationen, mit Experimenten, die historische Verfahren in die Welt der Künstlichen Intelligenz übersetzen.
Es sind genau diese Brüche und Übergänge, die den Abend so eindringlich machten. Was ist ein Bild heute noch wert, wenn es jederzeit veränderbar ist? Wem gehört ein Moment, wenn Maschinen beginnen, ihn selbst zu erschaffen? Die Ausstellung stellte diese Fragen nicht laut, sondern ließ sie zwischen den Bildern entstehen – in den Gesprächen der Gäste, in den stillen Blicken vor den Exponaten. Es ist, als würde man durch ein Familienalbum spazieren, das die Geschichte des Technologiewandels in der Fotografie erzählt.
Dass die originalen Exponate nur eine Woche zu sehen sind, verleiht dem Ganzen eine zusätzliche Dringlichkeit. Ein flüchtiges Fenster in die Vergangenheit, das sich bald wieder schließt. Der FPC bleibt deshalb vom 29. April bis 3. Mai täglich von 16 bis 19 Uhr geöffnet – und wer kommt, hat die seltene Gelegenheit, dem Künstler persönlich zu begegnen.
Die Vernissage ist Gespräch über Herkunft und Zukunft, über Handwerk und Technologie, über Wahrheit und Inszenierung. Und vielleicht auch eine leise Mahnung: Dass jedes Bild, so modern es auch sein mag, auf den Schultern derer steht, die einst mit Licht und Geduld zu fotografieren begonnen haben.



