Freitag, Februar 08, 2013

FNP: Die Ausbaugegner und das Internet

Von Mirco Overländer

Im Internet gibt es Wikipedia, ein frei zugängliches Online-Lexikon, an dem jeder, der sich dazu berufen fühlt, mitarbeiten kann. Die Flughafen-Ausbaugegner unterhalten ihr eigenes, "Frapedia" genanntes Online-Lexikon, in dem die Aktivisten fleißig Infos über alle mit dem Bau der Nordwest-Landebahn zusammenhängende Themen sammeln. Unter dem Stichwort "Lobbyismus" existiert auch ein Eintrag zur Sachsenhäuser SPD-Politikerin Petra Tursky-Hartmann, deren Ortsverein sich jüngst weigerte, 36 beitrittswillige Flughafen-Ausbaugegner in die Partei aufzunehmen (wir berichteten). Erst der SPD-Unterbezirksvorstand revidierte die Entscheidung und nahm mehr als zwei Dutzend Ausbaugegner in die Partei auf.

Hass-Tiraden im Internet

Wer nach Gründen für die Reibereien zwischen den Sachsenhäuser Alt-Genossen und den drei Dutzend Mitglieds-Aspiranten sucht, stößt zwangsläufig auf die einschlägigen "Frapedia"-Einträge und Kommentare auf der Facebook-Seite "Frankfurter gegen Fluglärm", in denen sich Frust und Wut einzelner Fluglärmgeplagten seit Monaten an Petra Tursky-Hartmann entladen. So schrieb Britta Pajonk-Werner auf Facebook etwa am 15. Januar über Petra Tursky-Hartmann: "persönlichkeitsrechtsverletzend – in diesem Wort kommt das Wort ,Persönlichkeit’ vor. Wie soll etwas verletzt werden, was nicht vorhanden ist." Dieser Eintrag wurde mit fünf "gefällt mir"-Meldungen belohnt.

Die von vielen Ausbaugegnern als Fraport-Lobbyistin bezeichnete Politikerin erstatte bereits im Dezember Anzeige gegen den "Frapedia"-Betreiber: "Mich stört, dass manche die Anonymität des Internets nutzen, um über mich herzuziehen", moniert Tursky-Hartmann, die sich erschreckt zeigt über "die Energie und Destruktivität", über die mancher Ausbaugegner im Netz über sie herzog.

Anzeige erstattet

Besonders der Umstand, dass man immer wieder auf ihre berufliche Vergangenheit als Stewardess, die Tätigkeit ihres Sohnes sowie auf die Mitgliedschaft einiger Fraport-Angestellten in Tursky-Hartmanns Verein "Frankfurter Badeschiff" hinwies, sieht Petra Tursky-Hartmann als verunglimpfend und herabwürdigend an. Obgleich nicht klar ist, ob die Polizei der erstatteten Anzeige überhaupt nachgeht, änderten die "Frapedia"-Betreiber rasch einige strittige Passagen. Auch auf Facebook wurde manch heftiger Kommentar inzwischen gelöscht. Inzwischen ist die einst frei zugängliche "Frapedia"-Seite nur noch für registrierte Administratoren zugänglich. Wer vom Betreiber nicht freigeschaltet wird, muss draußen bleiben.

Unterdessen reichten 29 der 36 vom Sachsenhäuser SPD-Ortsverein abgelehnten Ausbaugegner beim SPD-Unterbezirksvorstand Einspruch ein und wurden bis auf zwei Fälle letztlich doch noch in die Partei aufgenommen. Bei den zwei Nicht-Aufnahmen handelt es sich um Daniela Winter und Ingrid Rockinger-Dörfel, die Frau von "Frapedia"-Autor Knut Dörfel. "Ich habe mitbekommen, dass ich in die Partei aufgenommen werden sollte, bis jemand sagte, auch ich wäre eine Frapedia-Autorin", sagt Daniela Winter, die nun beim SPD-Bezirksvorstand Einspruch gegen ihre Nicht-Aufnahme in die Partei einlegte und noch auf eine Antwort wartet.

Daniela Winter beteuert, sicher sei der ein oder andere Kommentator bei seiner Kritik an Petra Tursky-Hartmann "übers Ziel hinaus geschossen", die meisten Vorwürfe der Ausbaugegner seien aber nicht persönlicher, sondern sachlicher Natur gewesen und hätten das Ziel verfolgt, "auf nahe liegende Verflechtungen" zwischen Politikern und Fraport hinzuweisen.

Auch Ingrid Rockinger-Dörfel kann sich nicht erklären, warum die SPD sie nicht haben wollte: "Ich kenne die Gründe dafür nicht und fühle mich bezüglich der Online-Aktivitäten der Ausbaugegner in keiner Weise angesprochen", sagt die verhinderte Neu-Genossin. Sie selbst nutze das Internet überhaupt nicht und könne daher auch niemanden verleumdet haben. Ihr Gatte Knut Dörfel weist die Mobbing-Vorwürfe "entschieden zurück". Darstellungen, wonach Petra Tursky-Hartmann mit Fraport-Mitarbeiter Frank Cornelius befreundet ist, seien exakt dokumentiert und nicht in tendenziöser Absicht verfasst worden.

Obwohl längst nicht alle abfälligen Kommentare über ihre Person entfernt wurden, so hält Petra Tursky-Hartmann ihr rigoroses Vorgehen weiterhin für gerechtfertigt. "Mir wurde unterstellt, meine ganze Familie sei abhängig von der Fraport. In einem geschlossenen Forum ist es etwas anderes, als wenn man alles öffentlich macht", argumentiert die Genossin.