FPC: Digitale Plattformen und Journalismus – Herausforderungen in der Medienwelt

 


Digitale Plattformen und Journalismus – Herausforderungen in der Medienwelt

Eine Kooperation des Frankfurter Presseclubs mit der Friedrich-Ebert-Stiftung und dem Ortsverband Frankfurt des DJV Hessen

Nicht erst seit der Wahl von Donald Trump werfen die disruptiven Veränderungen in den USA auch bei uns die Frage auf, wie sich soziale Netzwerke auf die Medienlandschaft in Deutschland auswirken. Darüber diskutierten Prof. Dr. Martin Andree, Medienwissenschaftler an der Universität Köln und Verfasser des von der Friedrich-Ebert-Stiftung herausgegebenen Impulspapiers „The Hunger Games“, und Carsten Knop, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und FPC-Vizepräsident, in einer hochspannenden Diskussion am 10. März 2025 im Frankfurter Presseclub. Moderiert wurde der Clubabend von Dr. Ina Knobloch, renommierte Journalistin und Vorsitzende des Ortsvereins Frankfurt im DJV-Hessen.


„Es gibt Monopolisten – und alle anderen verhungern“

Seit der COVID Pandemie sind digitale Medien in der absoluten „Pole Position“ startete Martin Andree seinen Parforceritt durch die zentralen Thesen seines Impulspapiers „The Hunger Games“. Was würde passieren, wenn die analogen Medien komplett verschwinden, konfrontierte der Kölner Medienwissenschaftler das Publikum im bis auf den letzten Platz besetzten Clubraum. Das Ziel der großen Tech-Giganten YouTube, Apple, Facebook, Google oder Amazon sei, die Menschen in ihren Plattformen „gefangen“ zu halten. Und „wir haben keinerlei Gesetze, weder in Deutschland noch in der EU, um das zu stoppen.“


„Wir verlieren das Fundament der freien Medien“

Die Top Drei der Monopolisten verdienen zurzeit zwischen 80 und 90 Prozent aller digitalen Werbeeinnahmen in den Ländern der westlichen Welt, alle anderen Player müssten sich mit 10 bis 20 Prozent zufriedengeben. Das habe zur Folge, dass die redaktionellen Medien ihre Finanzierungsgrundlage verlieren. Zwar würden die öffentlich-rechtlichen Medien in der analogen Sphäre noch etwas 48 Prozent an Visibilität erzielen, in der digitalen Sphäre ist ihr Bewegbildanteil bereits auf 4 Prozent geschrumpft. „Es ist offensichtlich, dass das verfassungswidrig ist.“


„Es wäre übrigens leicht, das Internet zu befreien“

Ab einem Marktanteil von 80 bis 90 Prozent, so die Forderung des Kölner Medienwissenschaftlers, dürfe in Deutschland niemand eine demokratierelevante Mediengattung monopolisieren. „Es wäre übrigens leicht, das Internet zu befreien“, betonte Andree und zählte fünf relevante Punkte auf: Freiheit für die Outlink-Gestaltung auf Plattformen, offene Standards für Plattform-Content, die wirtschaftliche Trennung von Übertragungsweg und Inhalt, eine Obergrenze von 30 Prozent Marktanteil auch für digitale Medien und ein Verbot der Monetarisierung strafbarer Inhalte. Zur Kontrolle sollten dazu sogenannte Oversight Boards eingesetzt werden. Viel Zeit zur Herstellung der digitalen Souveränität von Deutschland bleibe jedoch nicht mehr.


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