Dienstag, Januar 29, 2013

FR: Glaubwürdig bleiben (29.01.2013)

von Elena Müller

Das Internet vergisst nichts. Aber Petra Tursky-Hartmann weiß sich zu wehren. Die parlamentarische Referentin der SPD für Öffentlichkeitsarbeit, Internet und Medienpolitik beschäftigt sich seit 1999 mit dem Thema Internet und soziale Medien, seit 2006 hat sie die Referentenstelle in Wiesbaden inne.

Medienpolitik ist daher eines der Themen, die ihr besonders am Herzen liegen und die sie bei einer erfolgreichen Wahl zur Landtagsabgeordneten stärker in den Fokus rücken will. Ihrer Meinung nach kommt das Vermitteln einer Medienkompetenz in der hessischen Lehrerbildung zu kurz, ebenso werden Eltern und ihre Kinder zu wenig darüber aufgeklärt, welche Folgen der sorglose Umgang mit persönlichen Daten im Netz haben kann. Sie selbst musste sich in der immer noch währenden Debatte im SPD-Ortsverein Sachsenhausen gegen verbale Angriffe ihrer politischen Gegner zur Wehr setzen, ließ dafür einige Foren sperren.

Keine Schließung der Landebahn
 
Neben der Förderung der Medienkompetenz will sich die 52-Jährige außerdem für mehr Bildungs- und Chancengleichheit in Kindergarten, Schule und Universität einsetzen; es geht ihr dabei besonders um die U3-Betreuung und „gute Bildung von Anfang an“. Einen weiteren sozialdemokratischen Schwerpunkt will Tursky-Hartmann mit dem Thema Energiewende setzen. „Die Energiewende muss bezahlbar bleiben und darf nicht dazu führen, dass die Leute ihren Strom nicht mehr bezahlen können“, so Tursky-Hartmann.

Im Gegensatz zu Ralf Heider fordert sie nicht die Schließung der ein Jahr alten Nordwestlandebahn – sie hält nichts von dieser Maximalforderung: „Wenn man glaubwürdig bleiben will, muss man sich an seine Versprechen halten“, sagt die Genossin. Heiders Forderung der kompletten Schließung sei ein Versprechen, das sie nicht geben wolle, weil es nicht einzuhalten sei.

Lärm vs. Arbeitsplätze
 
Dennoch will sich Tursky-Hartmann auch mit dem Flughafen auseinandersetzen. „Ich sehe natürlich auch das Lärmproblem. Aber mir ist auch die Situation der Arbeitnehmer am Flughafen wichtig.“ Es dürfe kein Lohndumping geben. „Jeder, der Vollzeit im oder um das Terminal arbeitet, muss von seinem Gehalt leben können“, sagt die gebürtige Rheinland-Pfälzerin, die seit 25 Jahren in Sachsenhausen lebt. Ihr Studium der Publizistik in Mainz hat sich Tursky-Hartmann nach eigener Aussage mit ihrem Nebenjob als Flugbegleiterin bei der Deutschen Lufthansa finanziert.
Seit 1994 ist sie Mitglied der Sachsenhausen-SPD. Auch damals steckte die Partei in einem tiefen Zwist, der sie im Stadtteil rund 50 Jahre in Ost und West geteilt hatte. Das Lager im Ortsverein Sachsenhausen, das sich im Streit um den Beitritt der Fluglärmgegner um Tursky-Hartmann gebildet hat, sei sehr darum bemüht, sich für eine schnelle und gute Integration der neuen Mitglieder einzusetzen, hieß es am vergangenen Sonntag.

Petra Tursky-Hartmann tritt in diesem Jahr zum dritten Mal zur Landtagswahl an, hat aber schon angekündigt, sich nicht der Delegiertenwahl zu stellen, falls der Mitgliederentscheid gegen sie ausfalle. (elm).