Freitag, März 08, 2013

Frauen im Einsatz für ein selbstbestimmtes Leben ( 8. März 2013)

8. März 2013 - Internationaler Frauentag


von Petra Tursky-Hartmann

erschienen im vorwärts "150 Jahre SPD" am 8. März 2013

Meine Magisterarbeit am Mainzer Institut für Publizistik untersuchte die Berichterstattung im "Spiegel" damals im "schwarzen Rheinland-Pfalz" mit Conny Ahlers befreundet. In meine Teenager-Zeit fiel die Debatte um die Reform des Paragraphen 218, nachdem sich im Juni 1971 Frauen im "Stern" öffentlich zum Schwangerschaftsabbruch bekannt hatten.
 
Frauen wie Herta Däubler-Gmelin standen für mich für das Recht von Frauen auf ein selbstbestimmtes Leben. Doch die sogenannte Fristenregelung scheiterte vor dem Bundesverfassungsgericht. Erst mit der Wiedervereinigung stand der Paragraphen 218 erneut auf der Tagesordnung. Und wieder waren es Sozialdemokratinnen wie Inge Wettig-Danielmeier oder Heidemarie Wieczorek-Zeul, die sich für die Straffreiheit von Frauen nach einem Schwangerschaftsabbruch stark machten. Heute ist ein Schwangerschaftsabbruch immer noch rechtswidrig, bleibt aber straffrei, wenn er innerhalb der ersten drei Monate und nach einer Konfliktberatung durchgeführt wird.
Als ich 1999, damals Vorsitzende des Virtuellen Ortsvereins (VOV) der SPD, als Referentin für elektronische Medien ins Willy-Brandt-Haus kam, um auf spd.de über Präsidiumssitzungen zu berichten, sind mir "meine" politischen Vorbilder, die sich für ein selbstbestimmtes Leben von Frauen engagiert haben, dann persönlich begegnet. Inge Wettig-Danielmeier hatte für den Parteivorstand damals die Urkunde unterzeichnet, dass der Virtuelle Ortsverein "das Internet für die SPD erkunden sollte". Mit Herta Däubler-Gmelin haben wir damals einen vielbeachteten Chat über Rechtsextremismus im Internet geführt, mit Heidemarie Wieczorek-Zeul über Entwicklungspolitik.

Das ist jetzt mehr als ein Jahrzehnt her, im Vergleich mit Facebook und Twitter rückblickend so etwas wie "Internet-Steinzeit". Ich empfand es als sehr spannend, diese Persönlichkeiten, die sich auch für mein Selbstbestimmungsrecht eingesetzt hatten, drei Jahre lang "live" zu erleben. Das hat mich sehr geprägt. Ihnen gilt am 8. März mein Dank.

Petra Tursky-Hartmann (geb. 1960) ist Sozialdemokratin, Medienpolitikerin und Krimiautorin.