Künstliche Intelligenz ist längst im Redaktionsalltag angekommen – doch zwischen Hype und Ernüchterung bleibt oft die Frage: Wie lässt sie sich wirklich sinnvoll nutzen? Beim zweiten kompakten FPC-Workshop „KI-Klinik: Tools für den Journalismus nutzen“ führte KI-Experte und Digitaljournalist Jan Eggers die Mitglieder des Frankfurter PresseClubs in die praktische Arbeit mit modernen KI-Tools ein.
Praxisnah und mit Augenzwinkern
Eggers zeigte den Teilnehmenden, dass künstliche Intelligenz
kein Hexenwerk ist – sondern ein Werkzeugkasten, der klug eingesetzt werden
will. Auch Journalist:innen ohne Vorerfahrung konnten sich schnell einarbeiten.
Im Mittelpunkt standen konkrete Anwendungsfälle: Wie lässt sich KI beim
Schreiben, Recherchieren und Entwickeln von Ideen unterstützen? Welche
Routineaufgaben kann man ihr überlassen – und wo bleibt menschliches
Urteilsvermögen unverzichtbar?
Vom Heldenreise-Bot bis zum „Clara-Hendrik“-Prompt
Im Workshop wurde experimentiert, gebaut und getestet: Mit
Spaß begannen die Teilnehmenden als „KI-Superheld:innen“ im
Google-Bildgenerator, bevor sie mit Mistral-Agenten und anderen
Chatbots eigene kleine Anwendungen generierten – vom virtuellen Helfer für
journalistische Recherchen bis zum Story-Bot, der eine klassische Heldenreise
durchspielt.
Bei den Hands-on-Übungen drehte sich vieles um die
hohe Kunst des Promptens – also der gezielten Aufgabenstellung an KI-Systeme.
Eggers stellte eine Formel für bessere Prompts vor: „Gib der KI ROMANE!“ Das R
steht beispielsweise für Rollen, die man kreativ denken sollte - er
illustrierte sie mit dem „Clara-Hendrik-Prompt“, der die KI anweist, gleich
zwei Perspektiven einzunehmen – eine Kita-Erzieherin und ein Physiker, die aus
ihren jeweiligen Blickwinkeln über einen besseren Text diskutieren.
Chancen, Grenzen und Verantwortung
Neben der Praxis stand auch die Reflexion im Fokus: Was hat
sich in drei Jahren Künstlicher Intelligenz verändert? Lassen sich
KI-generierte Inhalte erkennen? Und wie geht man verantwortungsbewusst mit KI
im Journalismus um? Eggers betonte, dass man beim Einsatz einer KI besonders
auf die Quellen achten muss: „Eine KI ist keine Suchmaschine – aber sie kann
eine nutzen.“ Nur wenn die KI Quellen-Links angebe, habe sie auch nach Belegen
gesucht, man müsse die Links aber trotzdem überprüfen – nicht immer sei die
Quelle das, was die KI vorgebe. Der bewusste Umgang mit Recherchetools wie
Perplexity, Gemini oder Mistral sei entscheidend, um KI als klugen Partner
einzusetzen, der die Recherche besser, schneller und tiefer machen kann.
Zertifikate und Erkenntnisse
Zum Abschluss erhielten die Teilnehmenden eine Bescheinigung
über die behandelten Themen – von der Textarbeit mit Chatbots über die Grenzen
des Promptings bis zur Automatisierung redaktioneller Abläufe mit agentischer
KI.
Der Workshop machte deutlich: KI ist wie der digitale
Praktikant – manchmal übereifrig, oft überraschend, aber eine Bereicherung.


