„Der Volksbund ist nicht nur Friedhofsgärtnerei!“ - Wahl als Beisitzerin in den Landesvorstand Hessen


Auftrag, Arbeit und aktuelle Herausforderungen im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge

Am 30. Januar 2026 bin ich beim Landesvertretertag in Wiesbaden gemeinsam mit dem Landesvorsitzenden Karl Starzacher und meiner Frankfurter Kollegin Martina Feldmayer in den Landesvorstand des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. gewählt worden.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. ist eine humanitäre Organisation, die im Auftrag der Bundesregierung tätig ist. Seine zentrale Aufgabe besteht darin, Kriegstote im Ausland zu suchen und zu bergen, sie würdig zu bestatten sowie ihre Gräber dauerhaft zu pflegen. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Erinnerungskultur sowie in der Jugend- und Bildungsarbeit. An Kriegsgräberstätten fördert der Volksbund Begegnungen junger Menschen und vermittelt friedensethische Bildung. Finanziert wird die Arbeit überwiegend durch Mitgliedsbeiträge und Spenden.


Struktur und Aufgaben des Landesvertretertags

Eröffnet wurde der Landesvertretertag durch Karl Starzacher, den dienstältesten Landesvorsitzenden aller sechzehn Landesverbände. Der Landesvertretertag ist das oberste Organ des Landesverbandes Hessen. Der Landesverband Hessen zählt aktuell 6.158 Mitglieder (Stand: 31. Dezember 2024). Zu den zentralen Aufgaben des Landesvertretertages zählen die Wahl der Vorsitzenden, der stellvertretenden Vorsitzenden sowie der weiteren Mitglieder des Landesvorstandes und legt die grundlegenden Richtlinien für die Arbeit des Landesverbandes fest.

Erneuerung der Erinnerungskultur

In ihrem Grußwort würdigte die Schirmherrin des Landesverbandes Hessen, Astrid Wallmann, Präsidentin des Hessischen Landtages, die vielfältige Arbeit des Volksbundes. Sie betonte insbesondere die Bedeutung der aktiven Jugend- und Bildungsarbeit und rief dazu auf, die Formen des Erinnerns weiterzuentwickeln.


Friedhöfe als Lernorte

In seinem Bericht zur Auswirkung der Transformation des Volksbundes machte der Präsident Wolfgang Schneiderhan deutlich, dass der Volksbund „nicht nur Friedhofsgärtnerei“ sei. Der General a. D. der Bundeswehr steht seit 2017 an der Spitze der Organisation und verwies aufzunehmend schwierigere Rahmenbedingungen. Aktuell betreut der Volksbund rund 230 Kriegsgräberstätten in 45 Ländern mit mehr als 2,8 Millionen Gräbern. Heute engagieren sich über 1.000 Ehrenamtliche allein in Deutschland in der friedensethischen Arbeit. Schneiderhan unterstrich dabei die Bedeutung der Kriegsgräberstätten als Lernorte: „Friedhöfe sind Lernorte“, betonte er, und ergänzte mit Blick auf notwendige Weiterentwicklungen: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“


Herausforderungen durch Vandalismus

Wie verletzlich die Arbeit des Volksbundes ist, zeigt ein aktueller Fall aus Nordfrankreich: Auf dem Friedhof St.-Laurent-Blangy im Département Pas-de-Calais verursachten Metalldiebe schwere Schäden. Mit einem Trennschleifer wurden 22 bronzene Namenplatten zerschnitten, aus den Verankerungen gerissen und entwendet, drei weitere stark beschädigt. Der entstandene Schaden wird auf rund 150.000 Euro geschätzt. Von den jeweils rund 60 Kilogramm schweren Tafeln fehlt bislang jede Spur.

Mahnung zum Frieden

Per Videobotschaft meldete sich auch Gert-Uwe Mende, Oberbürgermeister von Wiesbaden und Kreisvorsitzender des Volksbundes in Wiesbaden, zu Wort. Er erinnerte daran, dass das Schicksal aller Gewaltopfer eine klare Lehre bereithalte: Frieden sei von unschätzbarem Wert, und die Opfer dürften nicht vergessen werden.


Auch in den kommenden Jahren will sich der Landesverband aktiv in die Öffentlichkeit einbringen: So ist für 2026 erneut eine Beteiligung am Hessentag in Fulda geplant, um über die bildungspolitische Friedensarbeit zu informieren. Zudem richtet der Landesverband Hessen den nationalen Volkstrauertag in der Frankfurter Paulskirche aus – unter aktiver Mitwirkung von Schülerinnen und Schülern. Friedenserziehung bleibe, so Karl Starzacher, angesichts aktueller gesellschaftlicher und politischer Herausforderungen von zentraler Bedeutung.