Fotos: Rainer Rüffer
„Kein Handy auf der Zuschauertribüne“
Kurz nach sieben war am 5. Februar 2026 Abfahrt mit dem Bus, um pünktlich um 8:30 Uhr am Security-Check des Hessischen Landtags in Wiesbaden anzutreten. Mit dem Hinweis „Kein Handy auf der Zuschauertribüne“ startete die Delegation um das FPC-Vorstandsmitglied Jan Eggers mit einer aktuellen Stunde für „starke Kommunen zur Stärkung der Demokratie“ in den politischen Alltag und die damit verbundene Kommunikation über die hessische Landespolitik.
Verfassungstreue darlegen, wenn man im höchsten Verfassungsorgan arbeitet
Weiter ging es zum Hintergrundgespräch mit der Gastgeberin Astrid Wallmann, sie wurde 2022 erstmals zur Landtagspräsidentin gewählt und steht in dieser Legislaturperiode 133 Abgeordneten vor. Aktuell hat sie einen Gesetzentwurf initiiert, der die Überprüfung der Verfassungstreue aller Personen im Hessischen Landtag vorsieht. Mitarbeitende, die nicht auf dem Boden der Verfassung stünden, so die Landtagspräsidentin, sollen zukünftig weder das Haus betreten noch aus staatlichen Mitteln finanziert werden.
Kern ihrer Initiative ist ein dreistufiger Check, den rund 470 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abgeordneten und Fraktionen durchlaufen sollen. Am Anfang steht ein Fragebogen für Selbstauskünfte, am Ende gegebenenfalls eine Abfrage beim Verfassungsschutz. Bestätigt sich der Verdacht, können Hausausweise einbehalten, IT- und weitere Nutzungsrechte entzogen sowie das Geld für Gehaltszahlungen gestrichen werden. Verfassungstreue darzulegen ist für Wallmann selbstverständlich, wenn man im höchsten Verfassungsorgan in Hessen arbeite.
Verhetzende Inhalte und Polarisierungen werden von Algorithmen belohnt
Danach schloss sich eine lebhafte Diskussion mit den medienpolitischen Sprecherinnen und Sprecher Dirk Bamberger (CDU), Esther Kalveram (SPD), Jürgen Frömmrich (Bündnis 90/Die Grünen), Oliver Stirrböck (FDP) und Markus Fuchs (AfD) zum Rundfunkstaatsvertrag und zum Jugendmedienschutz an. Seine Partei, stellte Fuchs selbstbewusst fest, gebe es ohne Social Media nicht. Leider, so Bamberger, könnten die anderen demokratisch gewählten Parteien – bezogen auf extrem polarisierende Inhalte auf Social Media – nicht mithalten.
Konsens herrschte zwischen Stirrböck, Kalveram und Frömmrich, dass die Debattenkultur zunehmend verkomme, weil Algorithmen „verhetzende Inhalte und Polarisierungen“ belohnten. Interessant war, dass am Ende der Debatte alle Abgeordneten außer der FDP bei einer spontanen Umfrage für ein Verbot sozialer Medien für Jugendliche unter 14 Jahren stimmten.
„Das Studio Wiesbaden ist im hr Experte für Landespolitik“
Ganz nah dran an der Landespolitik ist der Hessische Rundfunk – und das nicht nur, weil das hr-Landesstudio direkt im Hessischen Landtag angesiedelt ist. Von hier aus versorgen zwölf Korrespondentinnen und Korrespondenten um die Studioleiterin Ute Wellstein als „Experten für Landespolitik“ alle hr-Hörfunkprogramme, das hr-fernsehen, die hr-Onlineangebote und die ARD mit aktuellen Berichten, politischen Analysen und Meinungsbeiträgen. Um der verändernden Mediennutzung vom Linearen ins Digitale Rechnung zu tragen, so Wellstein, verfügt der hr u.a. über ein crossmediales Aufnahmestudio sowie crossmediale Regien für alle Ausspielwege.
Wie Studio- und Aufnahmetechnik „hinter den Kulissen“ funktionieren, zeigte Jörg Blöcher anschließend in den hr-Redaktionsräumen.
Kronleuchter im Kuppelsaal
Auch kulturell bot die FPC-Fortbildungsreise ein besonderes Highlight. Mit Friedel Pape vom Bereich Politische Bildung und Besucherprogramme durch das zwischen 1837 bis 1842 von den Herzögen von Nassau erbaute Haus. Vom Kuppelsaal mit seinem imposanten Kronleuchter ging die bemerkenswerte Zeitreise von der Gartenhalle (?) über Musiksaal, Kabinettraum bis hin zum historischen Präsidentenzimmer, denn der Hessische Landtag residiert seit seiner ersten Sitzung im Dezember 1946 im Wiesbadener Stadtschloss.
„Wir lassen uns nicht gern für dumm verkaufen“
Wer die Landespressekonferenz (LPK) Hessen betritt, spürt sofort den besonderen Ton, der dort herrscht. „Wir gehen höflich miteinander um“, betonte der Vorsitzende der LPK Dr. Ewald Hetrodt. Seit 2023 leitet der erfahrene Parlamentskorrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die unabhängige Arbeitsgemeinschaft, in der rund 75 hauptberufliche Journalistinnen und Journalisten organisiert sind, die regelmäßig über das landespolitische Geschehen in Hessen berichten. Neben der Organisation von Hintergrundgesprächen und Pressereisen – etwa nach Brüssel – sieht Hetrodt den wichtigsten Auftrag in der Wahrung der Pressefreiheit. „Wir lassen uns nicht gern für dumm verkaufen“, betonte er mit Nachdruck. Der FAZ-Korrespondent, der unter anderem Bücher wie „Die Unverfrorenen: Wie Politiker unsere Städte als Beute nehmen“ (2020) und eine Biografie über Günter Beckstein (2008) verfasst hat, ist bekannt für klare Worte und feine Ironie. „Meine Frau sagt, wer nur deine Texte liest, ahnt nicht, wie nett du bist“, erzählte er augenzwinkernd.
Hetrodt steht hinter dem digitalen Kurs der FAZ und befürwortet das Prinzip „Online First“ ausdrücklich. Die neue Geschwindigkeit der Berichterstattung empfinde er zwar als anstrengend, aber auch als Chance: Wenn zum Beispiel in Wiesbaden über ‚Mercosur‘ diskutiert werde und die Grünen Fehler in Brüssel einräumen, dann bekomme sein Landesbericht durch die Online-Veröffentlichung durchaus bundesweit mehr Aufmerksamkeit als früher. Dass sich die klassische Pressearbeit und die politische Kommunikation durch die Digitalisierung allerdings merklich verändert habe, beobachtet er genau. „Die AfD, so Hetrodt nüchtern, „ist auf die LPK nicht angewiesen.“










