Ein Hausbesuch des Frankfurter PresseClubs im Museum für Kommunikation (MfK)
Fotos: Rainer Rüffer, Petra Tursky-Hartmann
Was haben Brieftauben mit Breaking News zu tun? Warum war
der Postbeamte einst so etwas wie der erste Nachrichtenfilter eines Ortes? Und
weshalb kann ein einziges Foto mehr Macht entfalten als eine ganze
Zeitungsschlagzeile? Antworten auf diese Fragen bekam der FPC am 8. August 2026
beim Hausbesuch im Frankfurter Museum für Kommunikation. Gemeinsam mit Jan
Brinkhus, Leiter des dpa-Landesbüros für Hessen, Rheinland-Pfalz und
Saarland, nahm Dr. Annabelle Hornung ihre Gäste mit auf eine exklusive
Reise durch Geschichte und Gegenwart von News und Nachrichten, währenddessen
die Kinder der PresseClub-Mitglieder von der MfK-Kinderwerkstatt betreut wurden.
Ein Museum, das Kommunikation erzählt
Schon die Begrüßung von Annabelle Hornung, seit Januar 2025 Direktorin,
machte deutlich, dass dieser Besuch mehr war als ein klassischer
Museumsrundgang. „Die Themen des Museums sind Kommunikation und
Mediengeschichte, und da ist der FPC ein natürlicher Partner unseres Hauses.“ Die
Vermittlung von Kommunikation und Mediengeschichte steht im Mittelpunkt dieses bemerkenswerten
Bildungsort am Frankfurter Museumsufer. Die Ausstellung „News – Nachrichten“
zeige, wie sehr sich die Bedingungen, unter denen Menschen Nachrichten wahrnehmen,
im Lauf von Jahrhunderten verändert haben. „In unserer visuellen Kultur haben
Bilder heute deutlich mehr Macht im Vergleich zu Headlines“, so Hornung. Anlass
für die Ausstellung, die schon im vergangenen Jahr im Berliner Museum für
Kommunikation gezeigt wurde, war der 75. Geburtstag der Deutschen Presse-Agentur.
Heute ist dpa die größte in Deutschland tätige Nachrichtenagentur mit zwölf
Landesdiensten sowie rund 140 Standorten im In- und Ausland.
Der Postbeamte als Nachrichtenfilter
Wie radikal sich die Geschwindigkeit in der
Nachrichtenübermittlung verändert hat, wird in der Wechselausstellung des MfK besonders
anschaulich. „Das Nadelöhr, dass alles über die Post ging, sieht man an
Zeitungen, die früher oftmals den Namen Post oder Postille führten“, berichtet
Hornung. Der Postbeamte im Ort war eine zentrale Figur: bei ihm liefen die
Nachrichten zusammen – und damit auch die Entscheidung, was er für die Menschen
im Ort interessant und wichtig erachtete. Dass Schnelligkeit im
Nachrichtengeschäft ein entscheidender Wettbewerbsvorteil ist, zeige die
Biografie von Paul Julius Reuter, dem „findigen“ Gründer der Nachrichtenagentur
Reuters. Er nutzte 1850 Brieftauben, um eine Lücke im europäischen
Telegrafennetz zu überbrücken. Denn zwischen Aachen und Brüssel brauchten
Telegramme mit der Eisenbahn rund sechs Stunden – Brieftauben schafften die
Strecke in zwei.
Welchen Ausschnitt von Wirklichkeit sehen wir?
Welche Informationen erreichen uns? Wer entscheidet darüber?
Und welchen Ausschnitt der Wirklichkeit sehen wir überhaupt? fragte Jan
Brinkhus, der das dpa-Landesbüro für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland
leitet. Seine Aufgabe bestehe unter anderem darin, Reporterteams zu
organisieren, um eine umfassende Berichterstattung sicherzustellen, wobei nicht
mehr nur Texte zum Angebot der dpa gehören, sondern auch Fotos, Videos,
Grafiken und Audiobeiträge. Am zentralen
Newsdesk in Berlin laufen alle Fäden der dpa zusammen, hier entscheiden die Nachrichtenchefs
im Zweifel, wie mit einer Meldung umgegangen wird. „Ist sie nach unserem
Standard eine Nachricht? Haben wir ein Video dazu? Gibt es Fotos? Wie dringlich
ist die Geschichte? Und wie gehen wir mit rechtlichen Problemen um?“
Was Bilder verschweigen können
Besonders eindrücklich wird die Frage nach Wahrheit und
Wirklichkeit von Annabelle Hornung an einem Foto aus dem Irakkrieg 2003
erläutert. Das Bild zeigt einen irakischen Soldaten, umgeben von US-Soldaten.
In der Ausstellung wird deutlich: Erst die Betrachtung des gesamten
Zusammenhangs zeigt, dass der Mann gleichzeitig versorgt und bedroht wurde. Am
Beispiel dieses Fotos stelle die Ausstellung die Frage: „Was sehen wir – und
was sehen wir nicht?“
Die letzte Entscheidung bleibt beim Menschen
Und wie steht es mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz
bei dpa? „Es darf nichts das Haus verlassen, bevor nicht nochmal ein Mensch
sicher ist, dass das so stimmt, was wir haben.“ formulierte Jan Brinkhus unmissverständlich
den Grundsatz der dpa. Allerdings kann KI unterstützend eingesetzt werden, um
die journalistische Arbeit schneller und besser zu machen. „Sie ersetzt aber
nicht die Kernkompetenzen des Journalismus: Themen finden, prüfen,
recherchieren, einordnen, bewerten und verifizieren. Die letzte Entscheidung
bleibt beim Menschen.“ Noch deutlicher wurde der dpa-Journalist, was automatisch
erzeugte Nachrichten betrifft. „Wir haben keine Tools, die Nachrichten
schreiben, sonst würden wir uns selbst überflüssig machen“.
Technische Revolution der Bilder
Wie enorm sich die technische Seite des Nachrichtengeschäfts
verändert hat, verdeutlichte Brinkhus am Beispiel vom Versand von Bildern.
Heute verbinden Fotografen ihre Kamera mit ihrer Agentur. „Dann können wir das Bild
bereits kurz nach der Aufnahme editieren. Es dauert nur wenige Minuten, und das
Bild ist in der Welt.“
#UseTheNews - Den Wert von Nachrichten vermitteln
Auch die nächste Generation stehe für dpa im Fokus, so
Brinkhus. Um junge Menschen vom Wert überprüfter Nachrichten zu überzeugen, arbeite
man in einer Initiative zur Nachrichtennutzung und -kompetenz eng mit Schulen
und Verlagen zusammen. „Mit #UseTheNews führen wir junge Menschen an
Nachrichten heran, um neue Medienformate auszuprobieren, die sie aktiv
miteinbeziehen.“ Ziel sei, zu lernen, wie Quellen geprüft, Nachrichten eingeordnet
und die Kompetenz geschult wird, zu erkennen, welche Bilder echt und welche Texte
KI-generiert sind.
Zum Abschied bedankte sich Nina Mülhens vom FPC-Vorstand für das hervorragende Angebot, die Kinder der Mitglieder während der Führung von der Kinderwerkstatt des MfK pädagogisch betreuen zu lassen. „Wie junge Menschen Nachrichten aufnehmen und wie Erwachsene Nachrichten konsumieren, das haben das MfK und die dpa mit der super interessanten Ausstellung „Nachrichten-News“ perfekt zusammengeführt.“









