
Die Frankfurter Rundschau
scheint ein Vergangenheits-problem zu haben – und, so der Eindruck von Alf
Mayer, offensichtlich wenig Lust, sich diesem zu stellen. Im Mittelpunkt
steht Karl Anders (1907–1997): Widerstandskämpfer, Journalist, Verleger – und
in der stürmischen Rundschau-Zeit von 1954 bis 1957 de facto zugleich
Chefredakteur, Verlagsleiter und gleichberechtigter Geschäftsführer. Ohne
Anders, davon ist Mayer überzeugt, wäre die Frankfurter Rundschau „keine zehn
Jahre alt geworden“. Doch warum wurde ausgerechnet dieser Mann aus der
hauseigenen Geschichtsschreibung weitgehend getilgt? Ein Mann, der als
Berichterstatter der Nürnberger Prozesse gearbeitet hatte und die Rundschau
1954 mit einem an ihn gebundenen Millionenkredit der BfG – also mit
Unterstützung von SPD und Gewerkschaften – vor dem wirtschaftlichen Aus
bewahrte? Und der damit zugleich jene vielgerühmte Unabhängigkeit der Zeitung
absicherte? Mayer hat diese Geschichte umfassend recherchiert. Doch ihn
interessiert nicht nur die Frage, welche Rolle Karl Anders tatsächlich für das
Überleben und die Entwicklung der Frankfurter Rundschau gespielt hat. Ihn
beschäftigt vor allem eine andere, bis heute unbequeme Frage: Wie geht eine
linksliberale Zeitung mit einer derart eklatanten Lücke in ihrer eigenen, über
Jahrzehnte erzählten Geschichte um – und tut sie heute quasi „mit einem
Achselzucken“ ab?
Alf
Mayer, 1952 im Allgäu
geboren, lernte sein Handwerk bei der „Augsburger
Allgemeinen“, war dann in Frankfurt Redakteur von „medium“, der ersten deutschen
Medienkritik-Zeitschrift. Er hat mit Alexander Kluge und Edgar Reitz
gearbeitet, war Kulturredakteur der Deutschen Lufthansa, CvD bei „Horizont“ und bei der IG Metall, Textchef bei Manufactum und gehörte
etlichen Film- und Literatur-Jurys an. Er hat Kriminalromane übersetzt, in Bad
Soden am Taunus ein schönes Kino gerettet und ist Herausgeber des
Onlinemagazins www.culturmag.de
Foto:
Karl Gerold (links), FR-Prokurist Sauerbrey und Karl Anders (sitzend) mit
Vertragsurkunde, 1955. (Foto: privat)
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